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Schüler entwickeln App für Schulen


Von Mathias Gubo, Wiesbadener Tagblatt

WIESBADEN, STADT – Daniel Zacharias erinnert sich noch genau an diesen Dienstagmorgen: Wie immer musste er früh aufstehen, um pünktlich zum Bus zu kommen und in 30 Minuten zum Martin-Butzer-Gymnasium in Dierdorf geschaukelt zu werden. Dort angekommen, erwartete den angehenden Abiturienten ein Anschlag am Schwarzen Brett: Die ersten beiden Schulstunden fallen aus! „Das sind zwei verschwendete Stunden meines Lebens“, kann sich der 19-Jährige heute noch darüber ärgern. Doch gleichzeitig war es der Auslöser für Sdui, eine App zur zeitgemäßen Kommunikation zwischen Schule und Schüler.

 

Effiziente, stressfreie und kostengünstige Lösung

Zusammen mit seinen Freunden Jan-Micha Kroll (18) und René Meyenburg (18) machten sie sich an die Programmierung einer App als effiziente, stressfreie und kostengünstige Lösung für die Verwaltung und Kommunikation in Bildungseinrichtungen. Frei nach dem inzwischen kreierten Werbeslogan: „Ist es nicht traurig, wenn Schüler den Aktienmarkt in Shanghai auf dem Handy sehen können – aber ihren Stundenplan nicht?“. Die Schwarzen Bretter an jeder Schule ähnelten einem Dschungel. Dort die jeweils richtige Information zu finden, sei eher Zufall, sagt Zacharias. Dabei habe heutzutage jeder junge Mensch ein Handy in seiner Tasche. Aus Sicht der drei jugendlichen Firmengründer das beste Instrument, um nicht durch schlechte Organisation in der Schule zu scheitern.

 

Sdui soll die Verbindung zwischen Schülern, Lehrern und Schule sichern helfen. Neuigkeiten aus der Schule können damit ebenso verbreitet werden wie der Stundenplan oder Änderungen, der Vertretungsplan oder Dokumente, Hausaufgaben zum Beispiel. Alle Informationen seien streng personalisiert, der Datenschutz gewährleistet, versichert der 19-Jährige.

Die drei jungen Leute als Computergenies zu bezeichnen, scheint nicht ganz falsch zu sein. Mit Sdui haben sie inzwischen zwei Start-up-Wettbewerbe gewonnen, auch bei „Jugend forscht“ waren sie erfolgreich. Nach Gründung ihrer Firma ist es ihnen inzwischen gelungen, Sdui am Martin-Butzer-Gymnasium in Dierdorf zu etablieren. Dort nutzen 1423 Schüler, das sind 93 Prozent der gesamten Schülerschaft, die App.

Doch wie schaffen es ein fertiger Abiturient, ein Gymnasiast kurz vor dem Abitur und ein Auszubildender, mit einer guten Idee auch Geld zu verdienen? Im vergangenen Herbst wurden die Sdui-Erfinder von Pando Ventures in Taunusstein-Neuhof aus mehr als 100 Bewerbern ausgesucht. Die ebenfalls noch jungen Gründer von Pando Ventures haben es sich zum Ziel gemacht, andere aussichtsreiche Start-ups zu unterstützen. „Diese tolle Idee hat Potenzial, wir helfen beim Markteintritt und der Strategie“, verdeutlicht Maximilian Gollner, der Sdui betreut.

 

Wiesbadener Oberbürgermeister war begeistert

Inzwischen hat man Kontakt zu mehr als 90 Schulen im Rhein-Main-Gebiet und weiteren Bundesländern. Der Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich habe sich bei einer Vorführung von der App begeistert gezeigt, berichtet Zacharias. Ziel sei es, in diesem Frühjahr die ersten Verträge mit Schulen abzuschließen und somit auch Geld zu verdienen. Die Installation der Software sei in vier Stunden erledigt, versichern die jungen Macher. Die App sei selbsterklärend, man brauche also keine Schulungen. Zudem sei sie mit allen vorhandenen Systemen kombinierbar. Kosten gibt es nur für die Schulen. Das hängt von der Zahl der Nutzer und der Nutzungsdauer ab. Sdui soll weniger als zwei Euro pro Nutzer pro Jahr kosten.

Wenn alles klappt, dann wollen die Sdui-Gründer in diesem Jahr einen Umsatz von mindestens 180 000 Euro machen. Maximilian Gollner ist zuversichtlich, da die App doch „die erste Software ist, die die Probleme aus Sicht der Schüler löst“. Das habe Marktpotenzial. Zudem sei Sdui einfach zu bedienen, „selbst Musiklehrer kommen damit klar“, ist Zacharias überzeugt. Gleichzeitig fügt er selbstbewusst hinzu, dass er und seine Mitstreiter den Anspruch hätten, „die Welt ein Stückchen zu verändern“.

 

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