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Bildung in Deutschland

Die vollumfassende Trägerschaft eines digitalen Vorreiters

Mit dem digitalen Wandel geht jede Schule anders um. Den einzig wahren Weg gibt es nicht, sodass Schulen und Träger für sich selbst entscheiden müssen, was für die individuellen Bedarfe und Gegebenheiten am sinnvollsten ist. Mit dem sogenannte „Solinger Modell“ stellen wir eine vorbildliche Vorgehensweise vor, die sich in Solingen bewährt hat und deren Herangehensweise sicherlich auf viele weitere Konzepte übertragbar ist. Dirk Wagner, CDO der Stadt Solingen in Sachen Digitalisierung, erläuterte uns seine Lösung.

Inhaltsverzeichnis:

1. Definition der Herausforderung für Schulen im Lockdown

 

Aktuell sehen sich deutschlandweit Schulen mit derselben Herausforderung konfrontiert: Fliegende Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht und eine unberechenbare Entwicklung der Situation sorgen für Unbehagen unter Entscheidungsträgern. Und noch etwas ist gleich: Die fehlende Erfahrung im Umgang mit einer Pandemie fordert neue Ideen und digitale Lösungsansätze, um den Unterricht aufrechterhalten zu können.

Case Study Solinger-Modell

In unserer Case Study zum Solinger Modell werden nochmal alle Informationen in einer PDF gebündelt.

2. Ein Lösungsansatz: Erklärung des Solinger Modells

 

Das Solinger Modell setzt unter anderem mit Hilfe von Sdui auf hybriden Unterricht, um das Infektionsrisiko einzudämmen. Die Klassen teilen sich in zwei Hälften, die dann Woche für Woche abwechselnd in der Schule erscheinen oder von Zuhause unterrichtet werden. Zum Fernunterricht nutzen Schulen die Videotelefonie von Sdui, sodass auch die Schüler Zuhause den Lehrer sehen und seinen Erklärungen folgen können. Doch weshalb entschied sich Solingen für diesen Lösungsweg, während die meisten Schulen mittlerweile wieder den vollkommenen Präsenzunterricht mit Stoßlüftung fortführen.

 

 

3. Der Weg zum hybriden Unterricht

 

Was zum sicheren Ankommen in einer digitalen Zukunft beitragen kann, ist ein fester Plan der auf einem Überblick über die aktuellen Gegebenheiten in Schulen und Haushalten beruht. Dirk Wagner führt uns Schritt für Schritt seinen Lösungsweg entlang.

 

3.1. Die Vorbereitung

 

„Uns war es wichtig, das Infektionsrisiko im ÖPNV zu entzerren und gleichzeitig für Bildungsgerechtigkeit zu sorgen“, schildert Wagner das Ziel der Entscheidung. Im ersten Lösungsversuch wurden aus 100 Schulbussen 110: „Das sind zu wenige“. Die Ursache hierfür lag nicht an den finanziellen Mitteln, sondern in der begrenzten Kapazität der Oberleitungsbusse. Eine Situation, die den Träger zum Umdenken zwang, um das wichtige Ziel sicherer Bildung dennoch erreichen zu können. In diesem Prozess des Neudenkens entstand schließlich das „Solinger Modell“, angelehnt an Projektplanungen zur Digitalisierung der Schulen, die bereits zwei Jahre zuvor begonnen hatten.

Beachtlich ist dabei, wie umfassend die Schulen zuvor von ihrem Träger ausgestattet und in den Prozess miteinbezogen wurden. Das Solinger Modell geht über die bloße Schule hinaus.
Vor der Einführung prüften Wagner und sein Team umfassend die Voraussetzungen. Sie…

  • erwogen Buskapazitäten
  • prüften die WLAN-Verfügbarkeit in Schulen und Haushalten
  • erfragten den Bedarf an Hardware
  • stellten Hardware zur Verfügung (> 8.000 IPads bereitgestellt, davon 3.500 für Kinder aus finanzschwächeren Haushalten)

 

In Anbetracht all dieser Vorkehrungen seien auch Aussagen kritischer Stimmen unzutreffend, die behaupten, dass nicht alle Schulen Zugang zu WLAN hätten: „Alle 55 Schulstandorte haben einen Glasfaseranschluss. Die 15 weiterführenden Schulen sind bereits komplett mit W-LAN ausgestattet“, stellt Wagner klar.

 

 

3.2. Die digitale Umsetzung

 

Nach der umfassenden Vorbereitung wurde den Schulen eine breite Spanne an Tools zur Verfügung gestellt. Darunter befindet sich auch die Schul-Plattform Sdui, die seitdem eine vielfältige Anwendungsform findet. Während sie bei Grundschulen das Haupttool zur digitalen Organisation ist, nutzen weiterführende Schulen einen Mix der zur Verfügung gestellten Systeme, um den hybriden Unterricht durchzuführen: „Uns ist wichtig, den Schulen Freiheit in ihrer Umsetzung zu geben. Als Träger wollen wir einen Rahmen schaffen, in dem Schulen sich bewegen können und damit Sicherheit und Halt bieten“.

Die Reaktion der Schulen auf dieses Angebot sei sehr positiv ausgefallen, schließlich haben auch sie das Ziel, den Lehrerausfall minimal zu halten und sicheres Arbeiten und Lernen gewährleisten zu können. Auch die freie Wahlmöglichkeit zu lassen, welche Angebote in welchem Umfang genutzt werden, stellt sich als förderlich heraus: „Je mehr zur Verfügung steht, desto mehr Kreativität entsteht an den Schulen“, sagt Wagner und freut sich über die gelungene Balance von strategischem Plan und Flexibilität. Wichtig sei es, auch weiterhin mit flexiblen Bausteinen zu arbeiten und das Schulverwaltungsamt noch stärker einzubinden. Punkte, bei denen gerade Sdui auch in Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen wird.

 

3.3. Der Blick in die Zukunft

 

Der Träger weiß, dass die digitale Ausstattung für mehr als nur den Fernunterricht relevant ist. Digitale Elemente ergänzen den regulären Unterricht immer stärker und werden zu festen Bestandteilen der Schule der Zukunft, um vereinfachte und schnellere Prozesse zu ermöglichen. So ist der digitale Stand für einige Eltern bereits jetzt ein wichtiger Einflussfaktor bei der Schul-Wahl, der auch in Zukunft an Relevanz gewinnen wird. Den Austausch mit den Eltern hielt der Träger von Beginn an transparent: Sie wurden nicht nur mittels einer Versammlung informiert, sondern bekamen auch eine Stimme, indem ihre Fragen, Wünsche und Bedenken zum Modell angehört und ernstgenommen wurden. Damit hat Solingen auf vorbildliche Art und Weise wirklich alle Schulbeteiligten miteinbezogen – selbst die, die sonst eher als Zuschauer am Rande stehengelassen werden.

4. Kein Geheimrezept: Tipps für Schulträger, um die eigene Schule zukunftsfähig zu machen

 

Auf die Frage, welche Tipps der CDO anderen Schulträgern in ihrer Vorgehensweise geben würde, antwortet Wagner reflektiert. Zu allererst habe es geholfen, einen festen Plan zu haben, an dem festgehalten wurde, egal was passierte. Das vermeidet Chaos und schafft Klarheit im Prozess. Außerdem sei Transparenz sehr wichtig: Verzögerungen wurden klar kommuniziert und begründet. Schulen, die in der Planung an hinterer Stelle standen, wurden darüber aufgeklärt, dass man einem festen Plan Folge leistete, um letztendlich für alle die höchsten Standards sicherstellen zu können. Drittens sieht Wagner einen besonderen Vorteil in dem großen Angebot, das den Schulen zur Verfügung gestellt wurde, und so trotz geschaffter Sicherheit dennoch die Kreativität der Schulen in der Lösungsfindung förderte.

„Das Erfolgsrezept liegt am Ende vor allem darin, dass die Schulen auf diesem gemeinsamen Weg voneinander lernen können“, schließt Wagner, und deutet damit auf die Wichtigkeit eines zentralen Verwaltungsnetzes hin. „Wir wollen uns immer vor Augen halten, dass wir unsere Kinder gut fördern, um aus ihnen gut ausgebildete Erwachsene zu machen und damit in die Gesellschaft der Zukunft investieren. Das ist den Aufwand wert“. Dem haben wir nichts hinzuzufügen. Vielen Dank, Herr Wagner!

Quellen: